Stockton – Napa Valley - Reno – Lassen Volcanic National Park – Redwood National Park – Avenue of the Giants - Mendocino

(9. – 26.10.2019)

Bei uns klingelt‘s, nicht in der Kasse sondern am Auspuff. Nach vielen mit Schlaglöchern und Steinen gespickten Schotterpisten, Forst- und Naturstrassen muss geschweisst werden. Für den Inhaber der Ein-Mann-Garage ‚Muffler Man‘ eine Kleinigkeit: 10 Minuten Schweissen, $ 20, 45 Minuten Plauschen über das Woher und Wohin, gratis.

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Das gesamte Napa-Valley hat keinen Strom! Ein Sturm hat die Oberleitungen beschädigt und ein Funke würde genügen, um Steppen-, Wald- und Rebenbrände auszulösen, deshalb wurde der ‚Schalter‘ umgelegt. Die Weingüter sind geschlossen. Ganz Nappa-Valley? Das kleine schmucke Städtchen Calistoga hat für diesen Zweck grosse Generatoren angeschafft und kann seine Bewohner und Geschäfte problemlos mit ‚Pfuus‘ versorgen, dies ist echter Service Public. Hier degustieren wir verschiedene ‚Cab‘, wie die für Amerikaner kaum aussprechbare Weinsorte Cabernet Sauvignon salopp genannt wird.

Auf der Weiterfahrt stellen wir fest, dass der Strom wieder eingeschaltet wurde. In den öffentlich zugänglichen Weingütern (z.B. Beringer oder Robert Mondavi) wird zahlungskräftigen Weinliebhabern aus dem nahen San Francisco und aus aller Welt das Feinste vom Feinsten geboten: in architektonisch durchgestylten Gebäuden inklusive Skulpturen- und Landschaftsgärten werden in mit erlesener Kunst ausgestatteten Räumen teure Weinerlebnisse geboten. Dies erinnert uns etwas an Disney Land, sehr viel kopiertes Getue und Kultur aus Europa. Das von den Basler Architekten Herzog und de Meuron erstellte Gebäude des Weinguts Domus ist leider nicht zugänglich.

Auf nach Reno, der kleinsten Grossstadt der Welt. Was in Las Vegas ‚The Strip‘ ist hier ‚The Row‘, kleiner, überschaubarer, weniger glamourös aber sehr gut zu Fuss zu bewältigen. Ein Italian Festival (oder was US-Amerikaner für Italianità halten) ist im Gange. Wir schlendern an Verkaufs- und Essständen vorbei, die Gerüche erinnern doch sehr an Italien und an fast jeder Ecke spielt eine Live Band. Bei einem Abstecher ins Casino Eldorado gibt’s am Roulettetisch ein ‚Gratisbier‘ aber keinen Gewinn. Auf dem Rückweg legen wir bei neapolitanischer Musik noch ein paar Tänze auf den Asphalt und verabschieden uns für die Nacht auf die ‚Desert Road‘. Umringt von neugierigen Wildpferden verbringen wir eine ruhige aber kalte Nacht.

Im ‚Lassen Volcanic National Park‘ ist fast nichts mehr los, leere Strassen und Parkplätze, einsame Trails bei schönstem Herbstwetter. Das macht richtig Spass. Ab Mitte Oktober wird der Wintereinbruch mit Schneefall erwartet, was die Schliessung der Strasse zur Folge hätte. Der Park selbst bietet für Vulkaninteressiert einiges: vier verschiedene Formen von Vulkankegeln, brodelnde, dampfende Schwefel- und Schlammquellen, wunderschöne Trails und spektakuläre Ausblicke. Eine echte Alternative zum überlaufenen Yellowstone. Eva schliesst begeistert Wissenslücken auf dem Gebiet der Vulkanologie und Thomas wendet mit einem Gabelschlüssel neu erworbene Kenntnisse an der Stellschraube des Höhenkompensators an und siehe da, Alphie schafft die knapp 3‘000 Höhenmeter problemlos.

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In den Bergen wird Schnee erwartet, weshalb wir nicht weiter nach Norden sondern gen Westen an die Küste fahren. Der Pazifik ist hier schön anzuschauen aber aufgrund des Humboldtstroms ist das Wasser eiskalt und die Brandung sehr rau. An ein Bad ist nicht zu denken, starke Unterströmungen können auch geübte Schwimmer weit abtreiben und ‚Sneaky Waves, werfen sich unerwartet und weit auf den Strand. Wir halten Abstand.

Die höchsten Bäume der Welt ‚Redwoods‘, wer hat noch nicht von ihnen gehört. Sie werden bis zu zwei Tausend Jahre alt und erreichen eine Höhe von bis zu 115 Metern. Waldbrände können ihnen nichts anhaben und die giftige Borke schützt vor Insektenfrass. Dann kamen die Sägen und innerhalb von nur einhundert Jahren war 95 % des Bestandes von der Holzindustrie abgeholzt. Ohne die Anstrengungen Privater wären alle Bäume den Äxten zum Opfer gefallen.

Im Redwoods National Park und an der Avenue of the Giants, die kurvenreich durch den Humboldt Redwood State Park führt, können einige der Giganten bewundert werden. Die Grösse dieser Bäume lässt sich auf Fotos nur in Relation z.B. zu Menschen oder Autos darstellen, die Stille, die feuchte klare Luft und die insgesamt aussergewöhnliche schummrig dunkle Atmosphäre kann vor Ort, auf vielen Trails erlebt werden.

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In Mendocino, einer malerischen Künstlerkolonie über den Klippen am Highway 1 wärmen wir Erinnerungen aus unserer Jugend an den gleichnamigen Song des 'Sir Douglas Qintet' aus dem Jahr 1969 auf und geniessen die lockere Atmosphäre.

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Randbemerkung
Kalifornien ist anders. Das Preisniveau ist höher als in anderen Staaten und wir sehen viele obdachlose Menschen, die permanent in ihren zum Teil sehr klapprigen, kaum noch fahrtüchtigen PW’s, Pick-ups oder Campern wohnen und immer auf der Suche nach einem gratis Park- oder Stellplatz umherziehen. Dies wird der Grund sein, weshalb an praktisch jedem Parkplatz über Nacht parkieren oder gar campen verboten ist. Die Stellplatzsuche wird für uns aufwändiger, zeitraubender. Wir weichen auch aus Sicherheitsgründen oft auf kostenpflichtige Campingplätze zum Beispiel in State Parks aus, die wiederum das Doppelte bis Dreifache im Vergleich zu State Parks in anderen US-Bundesstaaten kosten.

 

Wir heben ab, Aloha!

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