K58 (Beach Baja California) – Puerto Zeppelin – San Ignacio – Santa Rosalita – Guerrero Negro – Cuevas del Raton in San Francisco de Jesus – Mulegé – Loreto – La Paz – Playa Tecolote

(17. – 30.11.2019)

In Mexico kommt uns alles spanisch vor, vieles muss erst verstanden werden und einfache Alltagstätigkeiten wie Einkaufen dauern länger. Nach sechs Monaten in den USA/Kanada müssen wir uns völlig neuen Gegebenheiten anpassen.

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Die grossen Kakti begleiten uns auf unserem Weg Richtung Süden, sie stehen überall wie bestellt und nicht abgeholt. Es ist kühl und ab und zu regnet es, die Mexikaner tragen es mit Fassung und mit Gummistiefeln. Die Auswirkungen auf die unbefestigten Schotter- und Sandpisten für die Baja berühmt ist, sind jedoch erheblich. Sie verwandeln sich in wenigen Stunden in rutschige mit riesigen Pfützen durchsetzte und schwer befahrbare ‚Strassen‘. Für die Piloten der ATV, die am Baja 1000 Rennen teilnehmen, jedoch kein Problem. Wir fahren stundenlang gefühltes Schritttempo, sie überholen uns locker mit der vierfachen Geschwindigkeit. Wir halten uns deshalb nach einem ersten Offroad-Erlebnis mehrheitlich an die asphaltierte Mex1 (Transpeninsula).

Sonntagmorgen in San Ignacio, alle Geschäfte sind geschlossen. Wir gönnen uns ein mexikanisches Frühstück im kleinen Restaurant ‚Rancho Grande‘, sitzen in der Sonne und skypen mit der Schweiz. Die scheppernde Glocke der Kirche ruft zum Gottesdienst, die Gläubigen folgen herausgeputzt‘ und pünktlich. Die Kirchentür steht offen und wir hören die Gemeinde singen während dem ein sichtlich gelangweilter Polizist, er ist mit einem offiziellen Quad unterwegs, für Sicherheit sorgt. Hier scheint die katholische Sonntagswelt noch in Ordnung zu sein.

Mitten im einsamen Kaktusland steht das kleine Restaurant ‚el Sacrificio‘. Die Hälfte des Gastraums besteht aus zwei Tischen, die andere Hälfte ist das Wohnzimmer der freundlichen Familie. Juan, sein genuscheltes zahnloses Spanisch ist nicht zu verstehen, lässt Reisende wie uns hinter seinem Haus (in Sicherheit) für ein kleines Entgelt übernachten und bewirtet uns mit originalmexikanischen Burritos und Quesadillo). Solche Erlebnisse lieben wir, das ist für uns travelmood.

Die Cueva del Raton (Rattenhöle) befindet sich in einem Gebiet, das mit weltberühmten ca. 9000 Jahre alten Wandmalereien aufwartet. Wir fahren in den kleinen Weiler San Francisco de Jesus und besichtigen mit Guide Oskar die namengebende Höhle. Die letzten 5 der insgesamt 37 Kilometer haben es offroad-mässig in sich. Das Kreuzen einer Ziegenherde ist noch die kleinste Herausforderung.

Aus ‚slow down‘ oder längeren Aufenthalten am Strand wird leider nichts, da uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht. Rechts in Richtung Berge schwarze Regenwolken, links blauer Himmel. Spontan biegen wir auf die neu asphaltierte Strasse nach Santa Rosalita ab. Auf dem grossen Privatstrand von Pedro, er verlangt 100 Pesos (CHF 5) pro Nacht, kommt wieder einmal ‚Strandfeeling‘ auf. Von Surfern aus Alaska erfahren wir, dass dies der ‚Anfängerstrand‘ ist und dass die richtigen Wellen auf der anderen Seite der Bucht zu finden wären, wo man gratis campen könne. Das lockt uns wenig, denn wir haben diesen Strand für uns alleine, was das kleine Geld mehr als wert ist.

Wir besuchen die kleinen charmanten Städtchen Guerrero Negro, Mulegé und Loreto.

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Von anderen Reisenden wird uns ein Übernachtungsplatz mitten in der Wüste ca. 150 Kilometer vor La Paz, der Hauptstadt von Baja California Sur, empfohlen. Die Einträge im iOverlander über den Platz ‚Desert Stay‘ sind vielversprechend: Einsam, Still, Kaktusgarten, überwältigender Nachthimmel. Das wollen wir!

Aus dem Nachthimmel wird nichts, denn mit der Dunkelheit setzt starker Regen ein. Am Morgen dann das Unangenehme, die trockene Wüste hat sich in eine grosse Wasserpfütze verwandelt. Wir stehen ca. 80 Meter von der Schotterstrasse entfernt in 5 cm tiefem Wasser, der Untergrund ist schlammig und weich. Kommen wir hier alleine heraus? Dafür ist das volle Programm nötig: 20 % weniger Druck in den All-Terrain-Pneus, Allradantrieb, Differentialsperre und Untersetzung. Wir bleiben trotzdem vier Mal stecken. Thomas schaufelt immer wieder den schweren Schlamm beiseite und wir können unter Einsatz der Sandbleche dann selbst die Strasse erreichen. Komplett durchnässt fahren wir in die Nähe der asphaltierten Mex 1, pumpen die Pneus wieder auf, trocknen das Nötigste und sind froh, dass wir mit einem so gut ausgerüstetes Fahrzeug unterwegs sind.

In La Paz herrscht ‚Land unter‘. Die bereits geschilderten schweren Regenfälle haben die Strassen in Fliessgewässer verwandelt. Die Polizei lässt an schwierigen Stellen nur Fahrzeuge mit ‚high clearance‘ weiterfahren, normale PW’s werden zum Wenden gezwungen. Wir fahren direkt auf den teilweise überfluteten und deshalb leeren Parkplatz von Home Depot und warten das Ablaufen des Wassers ab, die Lust auf das Verkehrschaos ist uns vergangen.

Der nächste Morgen ist sonnig, warm und lieblich. An wenigen Stellen gibt es noch grosse Pfützen aber ansonsten ist die Erinnerung an die gestrige Ausnahmesituation unwirklich. Die Mexikaner zucken mit den Schultern, putzen den Schlamm weg und füllen die neu entstandenen tiefen Schlaglöcher.

Wir fahren zur Playa Tecolote und geniessen endlich das Strandleben, wofür Baja bekannt ist. Der Regen hat auch hier den Untergrund aufgeweicht und ein Kanadier mit Riesenanhänger fährt selbstbewusst direkt in den weichen Sand und bleibt stecken. Ein Mexikaner mit starkem Pick-up zieht ihn auf unseren Sandblechen wieder in Sicherheit. Auf Baja gehört das Steckenbleiben im Sand oder Schlamm einfach dazu und man hilft sich völlig unaufgeregt.

Baja Sur...

4 comments

  1. Liebe Eva, lieber Thomas
    ich wünsche euch einen schönen „Chlouser“ – falls es das in Mexiko auch gibt…..

    Eure Berichte und die eindrücklichen Bilder geniesse ich, irgendwie kriege ich Fernweh !
    Alles Gute und herzliche Grüsse aus dem sonnigen aber kalten Liestal
    Susanne
    ps. ich freue mich auf die nächsten Berichte 🙂

    1. Liebe Susanne,
      wir freuen uns immer wieder wenn unsere Blogseiten gefallen und wir feedbacks bekommen.
      Grättimänner sind hier in Mexico völlig unbekannt überhaupt ist gutes Brot schwer zu bekommen, Tortillas sind einfach kein Ersatz.
      Herzliche Grüsse aus san jose de cabo auch an die Glunggis uns FKDler
      Eva und Thomas

  2. Hallo Ihr Lieben
    Habe Eure Berichte mit grossem Interesse gelesen.
    Sie sind sehr, sehr spannend und interessant. Auch die Fotos sind toll.
    Wünsche weiterhin gute Fahrt und viele schöne Begegnungen und Erlebnisse.

    Liebe Grüsse aus Gelterkinden

    1. Liebe Susanne, Lieber Peter
      vielen Dank für die nette Reaktion wir freuen uns sehr über positive Rückmeldungen. Zur Zeit geniessen wir das Strandleben an der Südspitze der Baja. Wir wünschen Euch eine besinnliche Weihnachtszeit und grüssen Euch herzlich aus San Jose Del Cabo.
      Eva und Thomas

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