15. - 23.8.2022

Cotopaxi – Casanga -Lago Agrio – Parque National Cuayabeno – Lago Agrio

Wir nehmen Abschied von Walter (Spitzname Ismael), Inhaber des kleinen, feinen, kolonialen Hotels Cuellho de Luna und seiner CH-Gastronomie. Die beiden glücklichen Schweine Jamon und Bacon (Schinken und Speck) müssen nur die Nacht geschützt vor Dieben in einem engen Koben verbringen, tagsüber durchpflügen sie genüsslich ihr grosses Freilaufgehege. Am Feuer einen Canelazo (Heissgetränk aus Wasser, Zimt, Nelken, Naranjillasaft und hochprozentigem Zuckerrohrschnaps) schlürfen und mit anderen CH-Reisenden im Hotel palavern, so lassen wir die Allee der Vulkane ausklingen.

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Die Tour ins Amazonasbecken ist gebucht, die direkte Strasse haben jedoch starke Regenfälle weggespült. Der einhundert Kilometer längere Umweg führt holprig und kurvenreich durchs ecuadorianische Hinterland. Es gibt viel langsamen Schwerverkehr und die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei fünfundvierzig Stundenkilometern. Wir brauchen mehr als zehn anstrengende Fahrstunden, unterbrochen nur von einer Verschnaufpause in den Thermen von Papallacta und einer ungeplanten Übernachtung am Strassenrand.

Im Hotel Ariza in Lago Agrio lassen wir unsere Einzimmerwohnung auf Rädern stehen, denn es geht zwei Stunden per Bus und weitere zwei Stunden mit dem Motorkanu direkt in den Dschungel des Parque National Cuayabeno.

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Bereits bei der Anfahrt können wir riesige Schmetterlinge, Faultiere, Affen und ein sehr gut getarnter Vogel beobachten. Die Bambooecolodge liegt versteckt im dichten Dschungel.

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Wir befinden uns im Regenwald und ein grosser, gut wasserdichter Poncho gegen die immer wieder auftretenden Regenschauer, Gummistiefel und viel Antimückenmittel sind hier die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände. Kurz die Zimmer beziehen und ein schnelles Mittagessen, dann geht es per Kanu wieder in die Wildnis.

Die rosaroten Delphine sind flinke Schwimmer und kommen immer dort an die Wasseroberfläche, wo man sie, mit oder ohne Kamera, nicht erwartet. Wir gesellen uns bei Sonnenuntergang dazu und nehmen ein erfrischendes Bad.

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Bewaffnet mit Taschenlampen geht es in der Dunkelheit auf eine Dschungelexkursion, wo wir allerlei grossen und kleinen Spinnen begegnen. Einige können das Opfer anspringen und beissen, andere sind besonders giftig. Wir entdecken goldglänzende Spinnfäden stark wie Fischersilch. Mit dem Handy gibt es die besten Fotos. Unser Guide Ronald ist ein Profi und erklärt und zeigt diese wunderbare, im Dunkeln versteckte Welt.

Wir unternehmen eine fünfstündige Wanderung durch den Dschungel und kommen an Mahagonibäumen vorbei, die hier wieder wild stehen und alt werden dürfen. Wir vermeiden die riesigen Congaameisen, deren Biss Fieber verursachen könnte und lernen die Herkunftspflanze des Nervengifts Curare kennen.

Ronald erklärt und zeigt zwei verschiedene Arten, wie man in dieser feuchten Umgebung mit Harz oder Fasern einer Palme Feuer anzünden kann.

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Wir haben noch nie etwas von Zombieameisen gehört. Ein Pilz befällt die Ameisen und bringt sie dazu an Orten zu sterben, die für die Weiterverbreitung des Pilzes vorteilhaft sind. Es gibt auch Zombiespinnen!

Durch knöcheltiefen Schlamm und wadentiefe Sümpfe, wir müssen uns gegenseitig helfen, geht es weiter durchs Dickicht. Vögel und Affen über uns und allerlei  vier bis vielbeinige Kreaturen um uns und unter uns. Man weiss oft nicht wo man hintreten soll.

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Nach fünf Stunden Marsch in Gummistiefeln durch unwegsamen Dschungel haben wir uns ein Lunchpaket verdient. Danach paddeln wir zurück in unsere Lodge.

Nachts geht es auf Kaymanpirsch. Sie liegen gut versteckt in den falschen Mangroven, verraten sich aber im Licht der Taschenlampe mit rot leuchtenden Augen. Wenn das Kanu zu Nahe kommt, tauchen sie ab.

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Eine gute Stunde weiter im Dschungel besuchen wir ein indigenes Dorf und sind dabei, wenn Cassaba (Yuccabrot) hergestellt wird. Yuccawurzel ausgraben, schälen, reiben, auswringen, durch ein Sieb krümeln und in einer irdenen Schale über dem offenen Feuer backen. Brot mit einer einzigen Zutat hatten wir noch nie, schmeckt mit Thunsalat hervorragend.

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Im Dorf feiern sie gerade das Fest der Schamanen, dazu gibt es ein Fussballturnier und Leckerbissen vom Grill. Es wird uns versichert, dass die Riesenpalmkäfermaden eine Delikatesse sind, doch hier ziehen wir unsere kulinarische Reissleine und verzichten sehr herzlich dankend.

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Nach vier spektakulären und abenteuerlichen Tagen nehmen wir Abschied vom Regenwald. Leider hat sich das Display des Handys von Thomas (ein Samsung Galaxy S21+) auch verabschiedet, scheinbar ein bekanntes Problem dieses Modells. Alle Fotos, insbesondere diejenigen von weiteren nächtlichen Insekten und einer Boa, sind hier in Südamerika nicht zu retten. Das ärgert sehr!

Auf der Rückfahrt kommen wir an einer Anakonda vorbei, Thomas ist happy.

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Weiterhin Sommerwind.

2 comments

  1. Hola ihr lieben, sehr interessant euer Bericht und tolle Fotos! Ismael hat gar nicht erzählt, dass ihr auch bei ihm wart:-)) ein schöner Platz!!
    Geht es nun zu Hans ins Sommerwind? Verlässt ihr danach schön Ecuador?
    Liebe Grüße und gute Weiterreise Maria und Bernhard 🇨🇭🇨🇭

    1. Hallo Ihr Lieben,
      danke für den netten Kommentar. Wir sind nun 5 Tage bei der Finca und werden morgen wahrscheinlich in Kolumbien einreisen.
      Sichere Weiterreise und bis irgendwann.
      Eva & Thomas

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