Schweiz – Frankreich – Luxemburg – Belgien – Frankreich (Normandie, Champagne und Elsass)

 (1.6. – 24.10.2020)

Ça suffit!

Vom wohnsitzlose Zigeunerleben ohne unseren treuen Alphie haben wir genug. Nach langen Diskussionen ohne Glaskugel – was die Corona-Zukunft bringt ist sehr ungewiss – haben wir uns entschlossen Alphie aus Mexico zurück nach Europa zu verschiffen. Das Abenteuer dauert für uns vier Wochen, Alphie kommt voraussichtlich etwas später, kurz vor Weihnachten, in Bremerhaven an.

Unser Plan:
Alphie wohlbehalten nach Europa zurückführen. Wir haben von vielen Einbrüchen im Hafen von Veracruz gelesen. Dazu kommt, dass rund 1'300 Kilometer von Cancun nach Veracruz überwunden werden müssen.

Weihnachten mit der Familie, wir wohnen im Alphie.

Überwinterung in Griechenland, Tour durch die EU-Oststaaten sobald es die Coronasituation erlaubt.

Warten bis eine Verschiffung nach Südamerika oder Australien möglich ist.

Änderungen sind wahrscheinlich…aber unser travelmood ist ungebrochen.

Unser persönliches Schutzkonzept:
Literweise Handdesinfektionsmittel, 250 Schutzmasken und antiseptisches Gurgelwasser.  Zwei Wochen vor dem Flug keine sozialen Kontakte, FFP-2 Masken im Flugzeug und sobald als möglich mit Alphie zu einsamen Stränden und leeren Campgrounds starten, auf diesen Teil, sei es in Mexico oder Europa, freuen wir uns ganz besonders.

In welchem Zustand wir unser Apartment auf Rädern in Cancun antreffen werden, berichten wir das nächste Mal.

Hasta luego, wir freuen uns auf Mexico 2.0.

Unsere Traumsituation

‘Geschichtli’ vom Airbnb-Surfing

Unsere Wohnung in Sierentz hat alles, was wir uns wünschen, sie ist sehr gut ausgestattet inklusive öV-Anbindung nach Basel. Mit Familie und Freunden geniessen wir sehr schöne Sommerabende, erwandern das Sundgau und die Petite Camargue Alsacienne. Regelmässig verschaffen wir uns in Basel Abkühlung und ‘geehn dr Bach ab’.

Luxemburg präsentiert sich maskiert. Die Maskentragdisziplin ist unglaublich hoch, doch in den Restaurants stehen die Tische wie eh und je sehr eng beieinander, da kommt schon mal Dichtestress auf. Was wir nicht wissen: ein Tag nach unserer Abreise wird Luxemburg wegen der hohen Corona-Fallzahlen von der Schweiz auf die rote Liste gesetzt.

Corona hat auch positive Seiten: die Führungen im Grossherzoglichen Palast finden in sehr kleinen Gruppen von nur zehn Personen statt. Das royale Luxemburg zeigt sich grossherzoglich klein aber sehr fein.

An den Grenzen unbehelligt reisen wir weiter nach Brüssel. Das Schlachtfeld in Waterloo lassen wir wegen strömendem Regen aus, da sitzen wir lieber trocken bei frittierten Kartoffeln und belgischem Bier in unseren Lieblingsrestaurants Houtsiplou oder Nuetniegenough. Der Bierkult wird hier auf die Spitze getrieben: jeder auch noch so kleine Kiosk hat mindestens einhundert verschiedene Sorten vorrätig, es gibt sogar Flaschen mit Champagnerkorken; Achtung Explosionsgefahr.

Im kleinen engen Städtchen Marquise in der Normandie beziehen wir für eine Woche ein weiteres Airbnb. Alles vorhanden, doch die Betten sind eine Katastrophe.

Dafür entspannen wir an den weitläufigen Stränden, die auch bei hohem Besucheraufkommen genügend Platz für den vorgeschriebenen Abstand bieten. Wir haben keine Lust auf den allgegenwärtigen ‘D-Day- und Bunker-Zirkus’, dafür umso mehr auf lange Spaziergänge, Moules et Frites und Cidre.

Parkplatzproblem?
Aus unserer Wohnung haben wir direkten Blick auf einen kleinen, nur wenig frequentierten Gratisparkplatz. Am Tag nach unserer Ankunft ist jedoch bereits morgens alles komplett zugeparkt und laufend kommen weitere Autos auf Suchfahrt. Wir haben keine Lust auf Parkplatzsuche in den engen Strassen von Marquise und verschieben unseren Wocheneinkauf auf später. Eva geht los, um die Zutaten für einen schönen Brunch in der unmittelbaren Nähe einzukaufen. Sofort ist klar warum es keine Parkplätze mehr hat: es ist Markttag und in den Strassen reihen sich die Marktstände dicht an dicht. Der Früchtehändler scherzt in unverständlichem Französisch (wir sind im Land der Cht’i), Eva lacht mit, weiss aber nicht warum. Beim Käsehändler darf man bis zum Umfallen degustieren und beim Wursthändler gibt’s zwei Sorten ‘Probiererli’ oben drauf…das macht umso mehr Spass, als auch die Parkplatzsorgen um 13.00 Uhr enden. Der Markttag ist vorbei und die Parkplätze wieder frei.

Sabotage?
Unser Opel ist schon etwas älter und nicht mehr so fit. Er stottert und verliert an Kraft. Mal mehr und seit kurzem immer mehr.

Uns wurde doch nicht etwa ein Holzschuh ins Getriebe geworfen? Als im neunzehnten Jahrhundert die Erntemaschinen immer gebräuchlicher wurden, verloren viele Landarbeiter in der Normandie ihre Arbeit. Aus Protest warfen sie ihre Holzschuhe ‘Sabots’ in die Maschinen, um sie gebrauchsunfähig zu machen, daher der heute noch gebräuchliche Ausdruck: Sabotage.

Als die Warnlampe ‘Motorproblem’ aufleuchtet ist klar, eine Weiterfahrt ist nicht möglich. Mit gefühlt letzter Kraft schleppen wir uns auf den Parkplatz unseres Hotels.

Details wie es mit der Panne weiter ging unter unserer Rubrik ‘Pleiten, Pech und Pannen’.

Epernay in der Champagne erkunden wir dann gezwungenermassen mit dem Velo. In den Räumlichkeiten der Tourist-Information präsentieren täglich zwei kleine Champagner-Produzenten ihre Produkte, die Gratisdegustation lassen wir uns gerne gefallen. Weiter geht es auf dem gut ausgebauten Veloweg entlang der Marne. Ein Champagnerproduzent reiht sich an den nächsten, mal munden die Produkte besser (Charbonnier Père et Fils), mal weniger (wir nennen keine Namen) aber immer perlt die Blase köstlich im Glase.

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Bei kleinen feinen Champagner-Dîners im Garten unseres Hotels überbrücken wir stilvoll die Zusatzzeit in Epernay.

Mit neuer Zündspule und pannenfrei fahren wir zurück ins Elsass.

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In Uffheim logieren wir bei Estelle und Jean-Yves (merci bien). Die gnädige Akzeptanz von Mirabelle, einer Englisch-Kurzhaar-Lady, sichern wir uns mit haufenweise ‘Catisfaction’-Leckerlis.

Anstatt in Lima feiern wir den runden Geburtstag von Eva coronabescheiden in Lutter. Unsere Wohnung könnte von einem Innendekorateur nicht stilvoller eingerichtet sein, einfach perfekt. Herzlichen Dank an unseren Schweizer Gastgeber Daniel. Wir lernen unsere netten Nachbarn Ursula und Peter kennen, beide weitgereist und im Ruhestand. Da gibt es viel zu palavern.

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Die Grenzen zwischen Mexico und den Nachbarstaaten bleiben auf unbestimmte Zeit geschlossen. Eine Weiterreise in Amerika (Nord oder Süd), auch im Hinblick auf die anrollende zweite Corona-Welle, rückt in weite Ferne. Und so beginnen wir die Rückverschiffung zu organisieren. Insbesondere die Wahl des Agenten (Combi Mexico, Koral Uncu) und der Reederei (Höegh Autoliners SA) scheint wichtig. Wir hören von anderen Reisenden, dass ihre Fahrzeuge unbeschädigt angekommen sind, was uns etwas Mut gibt es ihnen gleich zu tun.

Vielen Dank für die Ratschläge, Tipps und Tricks an Urs und Wally, Ruth und Markus, Franzi und Fabian.

Zurück in Sierentz finalisieren wir die Vorbereitungen, gehen in die selbstgewählte Isolation und fliegen nach Mexico…endlich tut sich wieder was.

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